
Neues aus Rodos!
Aus Griechenland erreichen uns erste Rückmeldungen auf die große Kastrationsaktion im letzten Monat. Die Berichte sind sehr direkt übersetzt und wirken etwas "holprig", spiegeln aber die positive Grundresonanz sehr gut wieder.
Auf der griechischen Insel Rhodos herrschte vom 14.-23.08.2012 Ausnahmezustand. Eine deutsche Tierärztin und ihr Assistent, waren zu Gast. Aber von vorne...
Wir, eine Gruppe von privaten Tierschützern und Vereinen, sind seit ein paar Jahren auf der Insel tätig, um das Tierelend zu lindern - so gut es eben geht und unsere Mittel es erlauben. Wir unterstützen eine private Auffangstation im Süden der Insel und sind außerdem mit dem dort ansässigen griechischen Tierschutzverein “RAWS“, der dort ein Tierheim mit ca. 300 Hunden und einen Futterplatz für Streunerkatzen im Norden der Insel unterhält, in Kontakt. Viele Jahre schon arbeiten wir alle daran die Situation der ungewollten Tiere zu verbessern.
Der Kontakt mit der Stadt Rhodos ist gut. Einige Hunde und Katzen finden jährlich ein schönes Zuhause in Deutschland oder Holland, einige mittlerweile sogar auf der Insel selber, was allerdings selten vorkommt. Die Pflege der Schützlinge wird aus privaten Mitteln finanziert, ebenso wie die Kastration vereinzelter Tiere. So geht das jedes Jahr, ein Kampf gegen Windmühlen, denn wenn zehn Tiere vermittelt sind, kommen fünfzehn neue ins Tierheim. Uns war immer klar, dass sich auf diese Weise nicht viel verbessern wird, sich die unkastrierten Tiere ungehindert weiter vermehren und somit Jahr für Jahr eine regelrechte Welpenflut auslösen. Gerade jetzt, in den Zeiten der griechischen Krise, in denen auch das Tierelend immer weiter zunimmt, ist es uns wichtig, ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen von Zusammenarbeit.
Im Juni dieses Jahres entstand die Idee eine groß angelegte Kastrationsaktion mit Hilfe der Tierärzte des Tierärztepools vom Förderverein Arche Noah Kreta e.V. zu organisieren. Aus der Anfrage bei Thomas Busch, dem Projektleiter der Einsätze, wurde ein zeitnaher Termin. Schnell nahm die Planung konkrete Formen an. Schon im August sollte die 8-tägige Aktion mit der Tierärztin Ines Leeuw und ihrem Assistenten Roman Zeberl beginnen. Wir mussten nun in aller Eile versuchen die nötigen finanziellen Mittel für diesen Einsatz aufzubringen, außerdem war es eine logistische Herausforderung, alle Termine unter einen Hut zu bekommen. Viele der sonst freiwilligen Helfer konnten mitten in der Saison nicht helfen, da sie arbeiten müssen, um ihr eigenes Geld zu verdienen. Ein sehr wichtiger Punkt war die Genehmigung der Stadt durch den amtierenden Bürgermeister, Herrn E. Kousournas. Der Tierärztepool hatte zuvor drei Jahre mit Hilfe der EU-Kommission geklagt, um die Approbation seiner angestellten Tierärzte in Griechenland anerkannt zu bekommen. Diese Kastrationsaktion sollte der dritte offiziell genehmigte Einsatz in diesem Land werden.
Die Tierärzte des Tierärztepools reisen durch die ganze Welt um Tiere zu kastrieren und werden überall willkommen geheißen. Ihr Terminkalender ist rappelvoll. Nur in Griechenland, wo die Wurzeln des Vereins liegen, kommt es immer wieder zu Problemen mit den Behörden. Umso wichtiger, und als großen Erfolg anzusehen, ist, dass der zuständige Bürgermeister diese Kastrationsaktion als Chance sieht, für die Streuner der Insel etwas Sinnvolles und Zukunftsweisendes zu tun. Rhodos lebt vom Tourismus, wie fast das ganze Land, und wir erhalten während der Saison unzählige Hilferufe von Urlaubern, die kranke, verletzte oder halb verhungerte Tiere am Strand und auf den Strassen der sonst so wunderschönen Urlaubsinsel finden. Dies dürfte auch den zuständigen Behörden nicht entgangen sein, denn die Vorsitzende des Vereins “Rhodos Animal Welfare“, Frau Anastasia Stammatiou, versucht immer wieder auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Sie war es, die die dringend benötigten Verträge für diesen Einsatz vom Bürgermeister unterzeichnen lies. Zusammen mit ihm setzte sie sich auch darüber hinweg, als Einwände von dem Vorsitzenden des dortigen Tierärzteverbandes kamen, man würde mit dieser Aktion den ansässigen Tierärzten schaden. Ich möchte erwähnen, dass es längst griechische Tierärzte auf der Insel gibt die ebenfalls die Tierschützer unterstützen und mittlerweile auch wesentlich mehr Kastrationen durchführen, als noch vor ein paar Jahren. Auch sie haben erkannt, dass man nur so das Elend stoppen kann.
Aber eine Aktion in diesem Ausmaß kann von ihnen nicht geleistet werden. Und es geht bei solchen Einsätzen sicher nicht darum, jemandem zu schaden; ganz im Gegenteil, der Tierärztepool möchte mit seiner Arbeit zum Umdenken der Bevölkerung und der einheimischen Veterinäre beitragen, und begrüßt eine Zusammenarbeit. Durch Spendenaufrufe konnten wir mit Hilfe vieler Tierfreunde das Geld für diese Aktion zusammenbekommen, zumindest reichte es für den Startschuss. Noch nicht erstattete Ausgaben dürfen wir dem Förderverein dann erstatten, wenn wir sie zusammengebracht haben. Am 13.08.2012 trafen die Tierärztin und ihr Assistent am Flughafen von Rhodos ein. Unverzüglich, und mit einem Tempo, an welches sich unsere Arbeiter erst gewöhnen mussten, ging es bei Temperaturen um die 37 Grad im Schatten sofort los. Hund für Hund wurde kastriert. Pausen schien das Team nicht zu brauchen. Die Aktion wurde durch die Medien auf der Insel verbreitet. Presse und Radio berichteten darüber, um auch Einheimische zu motivieren, Tiere, die wild um ihr Haus herum leben, zu bringen. Tierschützer und Helfer brachten Tiere von den Straßen, vom Strand und von Grundstücken von denen bekannt war, dass sich dort Streuner aufhalten. Es war eine grosse Herausforderung für alle, von morgens bis abends für Nachschub zu sorgen, damit Ines im Minutentakt arbeiten konnte. Sie ist ständig hochkonzentriert und schuftet ohne Pause.
Im Durchschnitt kastriert Ines am Tag 25 Tiere. Das kann sich auch schon mal auf 40 erhöhen, wenn keine Komplikationen auftreten. Alle Beteiligten staunten nicht schlecht über so eine Leistung, vor allem, weil sie nicht nur schnell sondern auch sorgfältig arbeitet. Natürlich wurden, falls nötig, auch andere OPs vorgenommen. Entfernung von Tumoren, Augen-OP`s. ect. Wenn man An- und Abreisetag abzieht hat sie in 8 Tagen 247 Hunde und Katzen kastriert und weitere 36 chirurgische Eingriffe durchgeführt. Am 23.08.2012 war die Aktion beendet und alle Helfer sehr erleichtert, aber auch sehr froh über dieses unglaubliche Ergebnis. Wir sind sehr dankbar für diese absolut erfolgreiche Aktion, und jeder Euro den wir dafür gesammelt haben und hoffentlich noch sammeln werden um unsere Schulden zu bezahlen, hat sich gelohnt. Diese Arbeit ist das Prinzip des Tierärtzepools. Das Elend an der Wurzel packen, damit erst gar kein Leid entstehen kann.
Somit ist klar, dass mit dieser Aktion an die 2000 Tiere in Zukunft nicht mehr ungewollt auf die Welt kommen werden, wenn man davon ausgeht, dass jedes Tier 2x jährlich bis zu fünf Welpen wirft. Der Bürgermeister bedankte sich herzlich bei dem Team für den gelungenen Einsatz und wir alle ziehen unseren Hut vor so einem Engagement. Unser Ziel ist es, dauerhaft weniger Katzen und Hunde auf der Insel zu sehen, die um ihr Überleben kämpfen müssen und Hilfe brauchen. Ich denke, wenn wir so eine Aktion regelmässig organisieren können wird in wenigen Jahren ein überfülltes Tierheim nicht mehr nötig sein. Dazu brauchen wir weiterhin Tierfreunde, die die Einsätze durch Spenden ermöglichen.