
Unschlüssig stehe ich zwei Tage vor dem Abflug nach Portugal vor dem Kleiderschrank und dem leeren Koffer. Meine Überlegungen, was unbedingt mit muesse, werden durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. Es ist die Dame des Tierschutzvereins, für den wir auf dem Rückflug Flugpaten sein würden.
"Werden Sie viel Gepäck bei sich haben? Wenn nicht, dann habe ich eine große Bitte."
Während ich den Koffer zuklappe, erzählt sie mir, dass sie uns gerne eine Flugbox gefüllt mit Sachspenden mitgeben würde, die dort dringend benötigt werden. "Kein Problem" denke ich grinsend, meine Wintersachen werde ich sicher nicht brauchen.
Kurze Zeit später steht sie in unserer Diele. Betreten sehen mein Mann und ich die liebevoll verpackte XXL-Flugbox an. Wie sollen wir die bloß...?
In Faro angekommen, steuere ich mit dem Gepäckwagen zum Leihwagen-Schalter: "Ähm, ja, wir haben ein Problem." Der nette Portugiese lächelt: "Das sehe ich. Was ist das??" "Eine Flugbox mit Sachspenden für Straßentiere. Wir haben Sie für eine Tierärztin mitgenommen, die sie dringend benötigt." Mehr muss ich nicht sagen, der junge Mann gibt uns ohne Zögern und vor allem ohne Aufpreis einen größeren Leihwagen.
Im Hotel angekommen, stehen wir mit Gepäck und der Box an der Rezeption: "Ähm, ja, wir haben ein Problem." "Das sehen wir, was ist das??" Gleiche Erklärung, gleiche schnelle Hilfe. Die Box darf solange in einem Raum des Hotels stehen, bis sie dort von der Tierärztin abgeholt wird. Vor dem Rückflug treffen wir die engagierte deutsche Tierärztin und nutzen die Zeit bis zum Abflug zu einem Gespräch über ihre Arbeit. Ich möchte wissen, wie wir sie unterstützen können. Dies ist der Beginn der monatlichen Paketsendungen nach Portugal, die gefüllt mit Flugboxen, Medikamenten, Halsbändern usw. sind.
Von da an verfolge ich regelmäßig die Berichte über die von ihr unterstützen Tierheime und Pflegestellen. Der unendliche Strom von Welpen macht mich traurig und lässt unsere Pakete nur wie einen winzigen Tropfen auf den heissen Stein erscheinen.
Viel lieber als ein Happy-End für ein misshandeltes Tier wäre mir, dass dieses Tier diese Erfahrung nie hätte machen müssen. Das Problem müsste viel mehr an der Wurzel gepackt werden. Mit diesen Gedanken im Kopf packen wir weiter Pakete und lesen zufällig einige Zeit später, dass in unserem Ort zwei Tierärzte wohnen, die genau dies tun.
So entsteht der erste Kontakt zu Thomas Busch und der vagen Idee, zu helfen. Ich lese über die wieder aufgenommene Futterbrücke nach Kreta. Was für eine wundervolle Kombination zwischen dem Verhindern von Leid durch Kastrationen und Versorgen der bereits existierenden Tiere. Gerne möchte ich mich an der Arbeit beteiligen. Vor mir sehe ich unsere Post-Pakete nach Portugal und die Fotos des großen See-Containers. Dazwischen liegen Welten. Trotzdem kontaktiere ich die ersten drei Futterhersteller, erzähle den Inhabern von der begeisternd nachhaltigen Arbeit der Tierärzte, versende Berichte des Fördervereins, Flyer, Zeitungsartikel. Diese ersten freundlichen Gespräche bringen die ersten 6 Tonnen Futter. Um Thomas die ganze Arbeit für den Futter-Container abzunehmen, möchte ich Sigurd nun bald direkt kontaktieren. Sigurd teilt mir sofort geduldig mit, welche Informationen er benötigt. Er veranlasst und finanziert die Abholung und informiert mich von nun an stets umgehend, wenn das Futter im Lager ankommt. Die gute Zusammenarbeit mit Sigurd, der diese Container überhaupt erst ermöglicht, wird zu einem netten Kontakt. So angenehm und unkompliziert hatte ich mir die Füllung des Futtercontainers überhaupt nicht vorgestellt.
In den nächsten Wochen und Monaten beginnt nun der Aufbau einer Übersicht über Futterhersteller und Großhändler. Fortlaufend werden diese kontaktiert und wie von Zauberhand füllt sich so der nächste Container.
Wichtig ist mir in diesem wertvollen Kontakt mit den Firmeninhabern nicht allein das Futter. Schließlich ist es auch eine gute Chance, Begeisterung für das Thema Kastrationen zu wecken. Wenn - wie vor kurzem geschehen - eine Firma nicht nur Futter spendet, sondern der Inhaber sich danach per Mail für unsere Arbeit bedankt, ist meine Freude noch größer.
Als Thomas mich vor kurzem bittet, einen Bericht über meine Arbeit zu schreiben, ist mein erster Gedanke: Welche Arbeit? Ich gebe lediglich meine Begeisterung für Eure Arbeit weiter, die so mit den gespendeten Futterpaletten Anerkennung findet.
Birgit Ischner